Das SMV Barcamp – eine trojanische Maus

Die Vernetzung und der Austausch stecken im Schulsystem noch in den Kinderschuhen. Das gilt sowohl für den internen als auch externen schulischen Bereich. Eine meiner Aufgaben als SMV BAG-Leiter ist es, genau das im Bereich der Schülermitverantwortung bzw. Schülervertretung im Auftrag des Schulamts zu ändern. Deshalb führten meine Kollegin und ich am 08.02.2017 im Haus der Jugend ein SMV-Barcamp zum Thema Echte Mitbestimmung durch, zu dem Verbindungslehrer*innen und Schülersprecher*innen aus dem Raum Freiburg und außerschulische Vertreter*innen, mit dem Schülerrat Freiburg, dem Jugendbüro und der Landeszentrale für politische Bildung, eingeladen wurden. Meine Dokumentation und Reflexion der Veranstaltung habe ich in die drei Aspekte, was ein Barcamp ist, weshalb ich mich für dieses Format entschieden habe und was ich mir für das SMV Barcamp 2018 wünsche, gepackt.

Was ist ein Barcamp?
Ein Barcamp ist ein offenes, flexibles, weder hierarchisches noch geplantes und größtenteils freies Veranstaltungsformat, dessen Regeln die gängigen Regeln von klassischen Konferenzen oder Fortbildungen aushebeln sollen. Bezeichnend ist dabei, dass nicht die Veranstalter*innen, sondern die Teilnehmer*innen den Inhalt bestimmen. Deshalb spricht man auch häufiger in diesem Zusammenhang von Teilgeber*innen. Ein übergreifendes Thema bildet neben der Moderation zu Beginn bzw. am Ende den Rahmen eines Barcamps. (Beim EduCamp geht es z.B. in der Regel um das Thema Digitale Bildung; wobei auch hier schon Workshops angeboten wurden, die thematisch meilenweit davon entfernt lagen. Das nächste EduCamp findet übrigens vom 28.04.-30.04.2017 in Bad Wildbad statt, zu dem ihr alle herzlich eigeladen seid.) Am Anfang führt man eine Vorstellungsrunde durch, in der man sich der Reihe nach mit jeweils drei Worten bzw. Hashtags (Hashtags werden genutzt, weil viele Barcamps von im Web aktiven Menschen durchgeführt und besucht werden. Meist hört man dann die Parole „Bloggt, postet und twittert darüber“, um dadurch die Vernetzung und Aufmerksamkeit über die Veranstaltung hinaus zu fördern.) vorstellt. Meine waren #Verbindungslehrer, #aula und #digital. Der Sinn besteht darin, dass man in a.) relativ kurzer Zeit alle zu Wort kommen lässt, b.) erste Eindrücke und Gemeinsamkeiten untereinander erfährt und c.) Interesse für nicht bekannte Begriffe weckt, die später zu einem Austausch führen. Im Anschluss erklärt die Moderation den Ablauf und die gängigen Regeln, bevor sie mit der Sessionplanung beginnt.
Ablauf
Eine Session dauert 45 Minuten und kann ein Vortrag, ein Workshop oder eine Diskussion sein. Die Anzahl der verfügbaren Räumlichkeiten bestimmt, wie viel Sessions gleichzeitig innerhalb einer Zeitschiene (Slot) angeboten werden können. In unserem Fall entschieden wir uns von den sieben möglichen Räume nur vier zu nutzen, weil wir mit ca. 30 Personen rechneten und zu kleine Gruppierungen vermeiden wollten. (Es kamen 35.) Nach jeder Session gibt es ein 15-minütige Pause, um sich weiter auszutauschen, vorzubereiten oder mit Essen und Getränken zu stärken.
Regeln
1.) Weniger Vortrag, mehr Plenum
Ein Vortrag sollte maximal 20 Minuten dauern, damit 25 Minuten für den Austausch bleiben. Bei den meisten Sessions, die ich bisher besuchte, wurde gesagt, dass man jederzeit unterbrechen und Fragen stellen darf.
2.) Gesetz der zwei Beine
Wenn man feststellen sollte, dass die Session nicht die Erwartungen erfüllt, darf man den Raum verlassen. Deshalb stehen auch meistens die Türen offen. (Das erste Mal kostet aber Überwindung. Zumindest war das bei mir so.)
3.) Keine Zuschauer*innen
Ein Barcamp lebt vom Mitdenken und Mitreden.
4.) Keine Hierarchie
Auf einem Barcamp begegnet man sich auf Augenhöhe. Manche nutzen auch ein temporäres Du. Bei unserem Barcamp habe ich speziell die Lehrer*innen darum gebeten, nicht in die Rolle des Lehrenden zu verfallen und eine Session an sich zu reißen.
Sessionplan
Damit ein Barcamp „funktionieren“ kann, sollte ein Teil der Anwesenden mit dem Format vertraut sein. In unserem Fall war es ein Drittel, das sich im Vorfeld Gedanken gemacht hatte, was es wie anbieten möchte. Diese Speaker*innen stellen der Reihe nach dem Plenum ihre Themen vor, das per Handzeichen sein Interesse oder auch nicht bekundet. Ein gut gewählter Titel oder eine kurze und knackige Erklärung, worum es beim Vortrag, Workshop oder Diskutieren gehen soll, sind bei der Vorstellungsrunde die halbe Miete. Wenn dabei ausreichend Hände hochgehen, in unserem Fall lag das Minimum bei fünf Meldungen, findet das Angebot statt und wird im Sessionplan festgehalten. fullsizerenderWir benutzen hierfür eine Pinnwand mit Kraftpapier und Session-Kärtchen, die mit speziellem Kleber mehrfach umgeklebt werden konnten. (Bei manchen Barcamps wird der Sessionplan digital (z.B. Google Docs) zur Verfügung gestellt oder auch Änderungen über digitale Dienste (z.B. Telegram-Kanal) mitgeteilt. Dafür war aber unser mageres Freifunk-WLAN nicht stark genug.) Wenn das Interesse bei einem Thema besonders groß ist, bietet es sich an, diese Session in zwei verschiedenen Slots (z.B. am Vormittag und am Nachmittag) zu setzen. Dadurch entzieht man den dazu konkurrierenden Sessions nicht die Teilnehmer*innen.
Protokoll
Session-Protokolle habe ich als Teilnehmer stets als enorme Erleichterung erfahren. Häufig fanden zwei für mich interessante Angebote zeitgleich statt. So konnte ich in den Protokollen zumindest nachlesen, was gesagt wurde oder fand hilfreiche Links zu weiterführenden Artikeln. Für das SMV-Barcamp hatte ich vom Kreismedienzentrum sechs iPads ausgeliehen, die ich in jedem Raum zum Protokollieren bereitstellte. Außerdem richtete ich vorher für jede Session ZUMpads ein, um in Echtzeit den Verlauf mitverfolgen zu können. Leider war das Freifunk-WLAN mit 35 Personen überfordert. Deshalb liefere ich hier nachträglich alle Protokolle der Sessions:

  1. Minecraft – Das Jugendbüro und seine Projekte
  2. kahoot! – Einsatz in der SMV und im Unterricht
  3. Schule als Stadt – Projekt der Wentzinger Realschule
  4. Nutzung neuer Räume der Landeszentrale für politische Bildung
  5. Evaluation
  6. LSBR und Der Schülerrat Freiburg stellen sich vor
  7. Stirb Frontalunterricht
  8. Schulen und Gleitzeit
  9. Faktoren für echte Mitbestimmung
  10. Handynutzung
  11. aula
  12. Charity Party – Wentzinger Party

Weshalb ein Barcamp?
Eine klassische Fortbildung hat ein vorgegebenes Thema, das nicht mitbestimmt werden kann, bietet nicht selten Vortragende, die mit dem Nürnberger Trichter ausgestattet sind und endet am selben Tag. Ein Barcamp bietet viele Themen, Partizipation während der Speaker*innen-Runde und der Session an und endet nicht, weil durch den Austausch in der Regel auch eine Vernetzung stattfindet, die über die Veranstaltung hinaus hält. Ich glaube auch, dass Netzwerken eine der Antworten, auf die immer komplexer werdenden Herausforderungen darstellt. Das gilt auch für die politische Bildung, die entweder nicht selten auf 45 Minuten eines Unterrichtsfach reduziert wird oder kaum bis gar nicht durch die Arbeit der Schülervertretung stattfindet. Seit dem erstarkten Rechtspopulismus, Brexit oder Trumps Wahl zum Präsidenten werden wieder einmal über alle möglichen Kanäle die Forderungen nach mehr Bildung, politischer Bildung, Demokratie Lernen, Demokratie-Programme oder einer Gesellschaft mündiger Bürger*innen mantraartig verkündet. Dabei sollte man sich fragen, wie und ob diese Ziele, fern der fein formulierten Curricula, konkret an der Schule angegangen werden? Ein guter Indikator, ob so etwas bereits stattfindet, scheint mir die Frage nach der Mitbestimmung. Wie viel „echte Mitbestimmung“ ist (nur) erlaubt, wird gewünscht oder wird sogar unterstützt? Unter “echter Mitbestimmung“ verstehe ich die Schulentwicklung, den Unterricht oder die Lehrmittel bzw. -methoden. Diese Fragen müssen gesamtgesellschaftlich offen und transparent diskutiert werden, wenn man sie ernsthaft angehen möchte. Deshalb glaube ich, dass man diesbezüglich Lösungen nicht in einer Lehrerkonferenz erarbeiten kann, sondern nur gemeinsam mit Schüler*innen, Eltern und Kooperationspartnern aus dem non-formalen Bildungsbereich, wie z.B. dem Jugendbüro, der Landeszentrale für politische Bildung, dem Schülerrat Freiburg oder dem Stadttheater. Politische Bildung benötigt ein breites Netzwerk, das zu demokratischer Haltung und Handlung befähigt. Beim Netzwerken kommen Akteure aus unterschiedlichen Wissensbereichen und zahlreichen Perspektiven zusammen, um gemeinsam nach Antworten zu suchen. Wenn wir Kinder und Jugendliche adäquat auf die Zukunft vorbereiten wollen, gilt es das zu lernen.

img_5224Dieses SMV Barcamp soll langfristig eine trojanische Maus des Netzwerkens sein, wie sie in diesem Interview mit Harold Jarche beschrieben wird.

SMV Barcamp 2018
Für das SMV Barcamp 2018 plane ich zum Thema Politische Bildung Expert*innen für den Umgang mit Fake News, Rechtspopulismus und Social Media zu gewinnen. Ich hoffe auf noch mehr Anmeldungen, Kooperationspartner und Netzwerken. Ein Barcamp lebt von der Wiederholung und einem festen Kern, der jährlich wächst. Mir haben einige Neulinge bereits (zu)gesagt, dass sie beim nächsten Mal auf jeden Fall selbst etwas anbieten wollen. Man müsste auch den Weg dafür ebnen, die offizielle Anmeldung für das SMV Barcamp allen Schularten zu ermöglichen. (Bisher können das nur Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, Grundschulen, Hauptschulen, Werkrealschulen und Realschulen). Zu guter Letzt gilt es die Schulleitungen für dieses Format zu begeistern, weil sie einer der entscheidende Faktoren sind, wenn es darum geht, ob Mitbestimmung an einer Schule gelebt wird oder nicht. Üblich ist es nicht, dass sie zu solchen Fortbildungen eingeladen werden. Nur brauchen wir keine üblichen, sondern neue und bessere Lösungsansätze. bildschirmfoto-2017-02-13-um-07-55-25In der SMV-Verordnung steht, dass die Schülermitverantwortung von allen am Schulleben Beteiligten und den Schulaufsichtsbehörden zu unterstützen ist. Dann müsste ein SMV Barcamp, zu dem sich auch alle Beteiligten (und nicht nur Verbindungslehrer*innen und Schülersprecher*innen) anmelden können, konsequenterweise das Wunschformat des Kultusministeriums sein.

Sonstige Anmerkungen

  • Diskussionsrunden, die von meinen Schüler*innen geleitet werden, überlege ich, mit ihnen zukünftig mit Leitfragen vorzubereiten. Aus Lehrersicht würde ich sagen, dass sie vom eigentlichen Thema abkamen und nicht zielführend diskutierten. Aus Barcamp-Sicht müsste man aber sagen, dass sie sich zu dem, was ihnen in dem Moment am Herzen lag, ausgetauscht hatten und somit das Ziel erreichten. Das werde ich auf jeden Fall mit ihnen nochmal gemeinsam besprechen müssen; wobei ich unabhängig davon grundsätzlich auf der SMV-Hütte, zu Beginn des nächsten Schuljahres, mit Interessierten mögliche Sessions, also auch Vorträge oder Workshops vorbereiten möchte.
  • Man sollte bedenken, dass man für Vorträge auch die nötige Technik bereitstellen muss. Wir hatten zwei Räume mit Beamern ausgestattet, hatten einige Adapter für Fremdgeräte, sechs Tablets, WLAN und zwei Kabeltrommeln. Da wir die Moderation in einem kleineren Raum mit einer fest installierten Bühne machten, verzichteten wir auf Mikros.
  • Normalerweise bietet ein Barcamp auch die Verpflegung. Wir hatten nur Kekse, Saft und Wasser. Die Mittagspause verbrachten die Teilnehmer*innen in den benachbarten Cafés und Döner-Buden. Das wollen wir nächstes Jahr ändern.
  • Ich habe festgestellt, dass beim ersten Barcamp die Veranstalter*inne die Frage quält, ob ausreichend gute Sessions angeboten werden. Deshalb erlebe ich auch immer wieder, dass man Sessions im Vorfeld schon setzt oder sich vorab schicken lässt. Ich bitte euch das zu ertragen und nicht das Format zu ändern, weil die frische, spontane und ehrliche Art genau davon lebt.
  • Vor jedem Slot habe ich in allen vier Räumen darum gebeten, dass eine Person protokolliert. Weil das WLAN nicht zuverlässig genug war, wurden die Protokolle mit den Apps Notizen oder Pages erstellt. In den Pausen habe ich diese dann in die dafür vorbereiteten ZUMpads kopiert, um von meinem Rechner aus darauf zugreifen zu können.
  • Bei den diesjährigen Angeboten waren nur Vorträge und Diskussionen dabei. Deshalb werde ich versuchen, dass 2018 auch Workshops auf dem Sessionplan stehen.
  • Leider konnte ich keine Grundschule überzeugen, am Barcamp teilzunehmen. Für das nächste Jahr habe ich mir die Teilnahme zweier Grundschulen als Minimalziel gesetzt.

Start des aula-Projekts – Rückblicke, Einblicke, Ausblicke

Nach den ersten vier Monaten des Schuljahres 2016/2017 blicke ich nun auf die Einführung des aula-Projekts zurück, um interessierten Schulen, Lehrenden oder Schüler*innen Einblicke zu ermöglichen, welche Chancen das aula-Konzept bietet, aber auch welche organisatorischen Herausforderungen es zu meistern gilt, falls man sich dafür entscheiden sollte. Eine Information halte ich dabei für wichtig, wenn man abwägt, aula auch an der eigenen Schule zu testen: Das Konzept ist flexibel bezüglich der Schulart, des Umfangs und der Anwendung. Man kann aula mit einem Oberstufenkurs, einzelnen Stufen oder der gesamten Schule, wie es an der Pestalozzi Realschule in Freiburg der Fall ist, umsetzen. Welche Rechte man der Schülerschaft zugestehen möchte, kann ebenfalls weit bzw. eng gefasst werden. Es gab an meiner Schule eine kurze Diskussion, ob die 5. Klassen nicht zu jung und überfordert mit der Form der Beteiligung seien. Wir einigten uns aber darauf, auch ihnen diese Art der Partizipation anzubieten. Die Überlegung war, dass sie aus einer eher passiven Rolle durch die Unterstützung aller am Schulleben Beteiligten langfristig zur aktiven wechseln. Hier gibt es die offizielle Kurzfassung meines Rückblicks bei politik-digital e.V.. (Man findet aula und alle aktuellen Infos jetzt auch bei Facebook.)

In der zweiten Schulwoche fand von Montag bis Mittwoch die doppelstündige aula-Einführung der einzelnen Klassen statt. Dabei wurden zwei Räume mit jeweils 16 PCs parallel mit zwei Klassen so belegt, dass immer der/die Klassenlehrer*in bzw. der/die Co-Klassenlehrer*in dabei sein konnte. Auf diese Weise gelang es uns, dreizehn Klassen innerhalb von drei Tagen in das Konzept einzuführen. Die Doppelstunde beinhaltete ein spielerische Erklärung und Unterscheidung von direkter und indirekter Wahl, Vorstellung der aula-Plattform bezüglich Funktionen, Nutzung und der Idee des Konzepts, das Anlegen eines Profils und die Besprechung des weiteren Vorgehens. Es mussten nämlich für jede Klasse bzw. Klassenraum Moderator*innen (bestenfalls sind das pro Klasse zwei Schüler*innen und ein/e Lehrer/in; in den 5. Klassen haben wir zumindest in diesem Schuljahr auf eine Schülermoderation verzichtet) gefunden und der aula-Vertrag ausgearbeitet bzw. beschlossen werden. Mittlerweile gibt es Tutorials, wie man sich bei aula anmeldetIdeen einstelltdas Passwort ändert oder das Profil bearbeitet, die einem die Einführung erleichtern. Weitere sind geplant. In der vierten Schulwoche fand am Nachmittag eine dreistündige Moderator*innen-Ausbildung statt, in der ihre Aufgaben geklärt bzw. geübt, Regeln und Umgang mit Verstößen diskutiert und Verbesserungsvorschläge gesammelt wurden.

Zwei Wochen später wurde der aula-Vertrag mit der Schulleitung, Schülerschaft und Teilen des Lehrerkollegiums ausgehandelt. Hier spielte hauptsächlich die Wahl des Rahmens, in dem Schüler*innen eine Entscheidung treffen können, eine Rolle. Unsere Schulleitung schlug die Fassung mit den größtmöglichen Zugeständnissen für die Schülerschaft bezüglich der Entscheidungsbefugnisse vor. Aber auch die Strafmaßnahmen bei Regelverstoß mussten ausgehandelt werden. Hier orientierte man sich an den Wünschen und Vorstellung der Schülervertreter*innen. Die Umsetzung von Ideen kann bzw. konnte erst mit Zustimmung bzw. dem Beschluss der Schulkonferenz, die den aula-Vertrag offiziell ratifiziert, erfolgen. Deshalb befand sich die aula-Plattform bis zur zwölften Schulwoche in einem Testmodus. Alle Schüler*innen konnten in diesem Zeitraum Idee einstellen, für sie voten oder Verbesserungsvorschläge formulieren, um sich mit der Nutzung der Plattform vertraut zu machen.

aula_starttagIn der ersten Schulkonferenz, bestehend aus jeweils vier gewählte Vertreter*innen der Eltern, Schülerschaft und dem Lehrerkollegium, wurde einstimmig das Inkrafttreten des aula-Vertrags beschlossen. Am Morgen danach versammelten sich zur ersten Stunde alle Klassen mit dem gesamten Kollegium in der May Bellinghausen-Halle, um den Start der aula-Plattform, die dafür wieder auf den Ursprungszustand zurückgesetzt wurde (jeglicher Inhalt aus der Testphase wurde gelöscht), gemeinsam einzuläuten. Dabei erhielten die Moderator*innen von der Schulleitung feierlich eine aula-Eule überreicht, die sie symbolisch für das Projekt, aber auch als Erinnerung an die wöchentliche Stunde in ihr jeweiliges Klassenzimmer hingen. Im Anschluss an den gemeinsamen Auftakt kehrten alle Klassen in ihre Räume zurück und besprachen mit den Lehrer*innen ausführlich die Nutzung, die Möglichkeiten und Grenzen des aula-Vertrags. (Insgesamt wurde hierfür eine Doppelstunde investiert. Außerdem habe ich für das Kollegium die wichtigsten Aspekte des Vertrags auf einer DinA4-Seite zusammengefasst.)

Aktuell stehen 69 gepostete Ideen im Schulraum; wobei es einige Doppelungen gibt. Die Vorschläge reichen von neuen Schulbänken bis hin zur überarbeiteten Smartphone-Nutzung in der Schule bzw. dem Unterricht. Eine Idee hat bisher das nötige Quorum von 30% erreicht und ist nun auf dem Tisch, bevor es zur endgültigen Abstimmung kommt. Zwei von 14 aula-Klassenräume wurden bisher nicht genutzt. In manchen Klassen wurden bereits Ideen, wie z.B. Klassenausflüge oder eine neue Regelung der Sitzordnung umgesetzt.

img_4575Um ein Budget zu schaffen, das für die Umsetzung größerer Projekte zur Verfügung stehen soll, wurde ein Video aufgezeichnet, das man sich auf dieser Crowdfunding-Plattform (Link folgt nach Kampagnenstart) ansehen kann. Über eine finanzielle Unterstützung der Projekte unserer Schülerschaft würden wir uns sehr freuen. Außerdem dürfen zwei Schüler*innen meiner Schule, mit Marina Weisband und einem Schülervertreter der aula-Pilotschule aus Nottuln das Konzept und die erste Erfahrungen mit aula auf der diesjährigen re:publica 17 in einem Lightning Talk vorstellen.

Persönliche Anmerkungen

  • Jedes soziale Netzwerk bzw. digitale Tool, das nicht ohnehin ein Bestandteil des Lebens junger Menschen ist, hat es schwer. Das bekommt man auch bei der aula-Plattform zu spüren. Schüler*innen sind es gewohnt, sich (meist) einmalig über ne App anzumelden und über Push-Mitteilungen auf Neuigkeiten hingewiesen zu werden. Eine aula-App und Push-Mitteilungen gibt es (noch) nicht und die wiederholte Anmeldung war/ist insofern ein Problem, dass Passwörter nicht notiert und vergessen wurden/werden; wobei man an dieser Stelle wunderbar das Thema Passwortwahl, -nutzung und -verwaltung mit den Klassen aufgreifen kann.
  • Aula ist eine soziales Netzwerk. Deshalb beobachtet man vergleichbare Verhaltensmuster, Chancen und Herausforderungen, die auch Facebook & Co bieten. Sachverhalte oder (nicht) vorhandene Prozesse werden transparent. Es hat schließlich Gründe, dass manche Klassen oder Schüler*innen das Angebot, Ideen zu posten, Verbesserungsvorschläge zu machen oder nur zu voten, wahrnehmen und andere nicht. Darauf können Lehrende nun eingehen und diskutieren. Die Wiederholung von Kommentaren oder Einfällen kenne ich auch aus dem außerschulischen Social Media-Bereich (Wie viele Leute lesen einen Thread, bevor sie auf einen Post oder Tweet reagieren?). Dass es Sinn macht, sich zuerst einen Überblick über bisher Bestehendes zu verschaffen, kann man in den aula-Stunden erarbeiten. Auch die Netiquette, die gerade mühsam in der gesellschaftlichen Debatte auf sozialen Netzwerken verbreitet wird, kann mit aula trainiert werden. Man darf nicht erwarten, dass gleich jede*r Schüler*in die Chance ergreift, ihre Vorstellungen einer besseren Schule umzusetzen. Ich denke, dass die Ein-Prozent-Regel bzw. der Anteil an Lurkern auch für dieses soziale Netzwerk gilt; wobei ich mir auch vorstellen könnte, dass die 1% der Schülerschaft, die eigene Inhalte beiträgt, in diesem geschlossenen, überschaubaren und vertrauteren Umfeld Schule sich langfristig zu mehr Prozent entwickelt.
  • Die längere Testphase bis zum Beschluss der Schulkonferenz hatte Vor- und Nachteile. Der anfängliche Elan ging z.B. an mancher Stelle aufgrund der fehlenden Verbindlichkeit verloren. Andererseits weiß jede/r aus der Praxis, dass zu Schuljahresbeginn viele schulalltäglichen Dinge Ressourcen verschlingen. Der zeitliche Puffer ermöglichte allen Kolleg*innen, sich in eigenem Tempo mit dem Konzept vertraut zu machen; was ich für den breiten Rückhalt eines so umfangreichen Projekts als sehr wichtig erachte.
  • Ein Angebot allein reicht nicht aus, um Beteiligung zu erreichen. Wenn Lehrer*innen die vereinbarte, eine aula-Stunde pro Woche nicht bieten und Partizipation nicht wünschen, bleibt das beste Konzept nur ein Konzept. Die Freiheit der Mitbestimmung braucht eine von allen Beteiligten gewollte Anleitung. Diese kostet viel Zeit, Kraft und ein demokratisches Verständnis, das unserer offenen Gesellschaft ein freiheitliches und friedliches Zusammenleben garantiert.

aula – ausdiskutieren und live abstimmen

aula_vertragIm Schuljahr 2016/17 wird es in Deutschland vier aula-Pilotschulen geben. Ich arbeite an einer davon und werde meine Erwartungen, Erfahrungen und Rückschlüsse hier dokumentieren. Aula ist ein Beteiligungskonzept (ausdiskutieren und live abstimmen), das Schüler*innen einfach und direkt ermöglicht, an der Schule mitzubestimmen. Zu Beginn wird dafür in einem Vertrag, der von Vertreter*innen aller Beteiligten einer Schule erarbeitet und unterzeichnet wird, festgelegt, in welchem rechtlichen Rahmen Entscheidungen getroffen werden können. Aula besteht aus zwei Säulen: Der wöchentlichen Unterrichtsstunde, in der aula stattfinden und der Software, die einen Austausch aller am Schulleben Mitwirkenden gewährleistet soll. Normalerweise haben Schüler*innen die Möglichkeit sich über die SMV (Schülermitverantwortung nennt es sich in Baden-Württemberg und meint damit alle Schüler*innen, die ihre Schule aktiv mitgestalten. In der Regel sind das Klassensprecher- oder Schülersprecher*innen. In anderen Bundesländern läuft das unter dem Kürzel SV = Schülervertretung.) einzubringen. Ihre Ideen, Anregungen oder Wünsche müssen dabei einen weiten Weg bestreiten, bis sie letztendlich alle Parteien einer Schule, wenn überhaupt, erreichen. Ich habe diesen Weg im Optimalfall hier grafisch zusammengefasst.Infofluss_analog

Folgende Aspekte müssen noch zusätzlich bedacht werden, die eine der klassischen und großen Baustellen der alltäglichen SMV-Arbeit an jeder Schule darstellen:

a.) Zeit. Jeder Schritt, von der Äußerung der Idee in einer Klassenratstunde bis hin zur Verkündung in einer Gesamtlehrerkonferenz oder Schulkonferenz, benötigt Zeit. Die Schulkonferenz (besteht in Baden-Württemberg aus der jeweils gleichen Anzahl von Vertreter*innen des Lehrpersonals, der Schülerschaft und der Eltern) trifft sich zum Beispiel nur ein Mal pro Schulhalbjahr.

b.) Durchlässigkeit. Was von der ursprünglich formulierten Idee am Ende bei allen Beteiligten ankommt, hängt jeweils von den rhetorischen Fähigkeiten, der Zuverlässigkeit und dem Willen der Informationsvermittler*innen ab. Außerdem spielt der dafür von Lehrer*innen zur Verfügung gestellte Rahmen ebenfalls eine große Rolle: Schafft man im Klassenraum die nötige Atmosphäre, um die Idee ordentlich vorzustellen und zu diskutieren oder darf man eine Minute vor Unterrichtsende, während alle zusammenpacken, diese in die Klasse werfen. Wobei das eigentlich einen eigenen Unterpunkt darstellt, auf den ich später nochmal kurz eingehen möchte: Bereitschaft. Echte Beteiligung gelingt nur dann, wenn alle sie erreichen und umsetzen wollen.

c.) Transparenz. Weder der Weg, den Ideen beschreiten, noch die Resonanz sind für alle Beteiligten einsehbar. Es können so z.B. den Ideengeber*innen keinen Verständnisfragen direkt gestellt werden. Ob eine Idee aufgegriffen und unterstützt wird, hängt somit von zahlreichen Hindernissen ab, die man zwar mit viel Engagement und Willen minimieren kann, die am Ergebnis aber nichts ändern: Über den Erfolg einer Idee entscheidet zu häufig der Zufall.

Was kann ein Beteiligungskonzept wie aula daran ändern?

infofluss_aulaViel, wenn es nach meinen Erwartungen geht. Wie der Informationsfluss mit aula aussehen wird, habe ich hier ebenfalls grafisch zusammengefasst. Es wird nun deutlich, dass alle jederzeit sehen können, wer, wann, was gepostet hat. Die oben genannten Hindernisse könnten so schlagartig um einen wesentlichen Teil reduziert oder sogar gänzlich aufgelöst werden. Um das Wie besser zu verstehen, erkläre ich kurz die oben genannten zwei Säulen dieses Beteiligungskonzepts:

A.) Software. Die aula-Software stellt ein schulinternes soziales Netzwerk dar. Alle Schüler-/Lehrer*innen und Eltern erhalten dafür über einen eigenen Account Zugang; wobei Eltern lediglich eine passive Zuschauerrolle haben, um stets informiert zu sein. Nun kann jede/r Schüler*in ihre/n Idee, Anregung oder Wunsch (in unterschiedlichen Kategorien) posten. Bei Facebook muss man sich vor dem Posting zwischen Öffentlich, Freunde, Nur ich oder Benutzerdefiniert entscheiden. Bei aula beschränkt sich das auf Schule und Klasse. Man muss sich also vorher überlegen, ob das Anliegen nur die Klasse oder die gesamte Schule betrifft und dann den jeweiligen Raum zum Posten wählen. aula_ansicht_schule_klasseWenn man die Frage der Öffentlichkeit geklärt hat, kann es dann losgehen. So sieht die aktuelle Maske dafür aus, an der sich vermutlich auch nicht mehr viel verändern wird.aula_ansicht_wildeideen Wenn eine Idee ausreichend Zustimmung durch Klicks erfährt, kann sie von allen weiterentwickelt und umgesetzt werden. Dabei gibt es drei Hürden, die es zu überwinden gilt. Das erste Hindernis stellt der vorher festgelegte prozentuale Anteil an Zuspruch der jeweiligen Gruppe (Klasse oder ganze Schule) dar. Solange bleibt es nur eine wilde Idee (siehe Bild oben). Zum Beispiel kann man sich darauf einigen, dass erst bei 20% Zustimmung eine Idee aufgenommen und weiterentwickelt werden kann. Durch dieses Quorum kann sich Qualität von Quantität absetzen. Das zweite Hindernis besteht aus der Prüfung der Schulleitung, ob der im aula-Vertrag vereinbarte rechtliche Rahmen eingehalten wird. Das letzte Hindernis ist eine endgültige Abstimmung aller Betroffenen (Klasse oder Schule) über die überarbeitete Fassung der Idee auf dem Tisch (siehe Bild oben). Den genauen Weg, den eine Idee bis zur Umsetzung zurücklegen muss, werde ich im Laufe des Schuljahres an einem konkreten Beispiel ausführlicher beschreiben. Das Prinzip müsste aber hiermit klar: Alle können jederzeit sehen, welche Ideen aktuell bezüglich ihrer Klasse oder der gesamten Schule im Raum stehen, die sie unterstützen oder weiterentwickeln können. Um auf die oben genannten analogen Hürden wieder zurückzukommen: Man erreicht durch die “digitalen Möglichkeiten” von aula maximale Transparenz und Durchlässigkeit in Echtzeit.

B.) aula-Stunde

Einmal pro Woche bekommt jede Klasse eine Schulstunde Zeit, um sich über neue oder bestehende Ideen auszutauschen. Das kann je nach Situation und Thema im PC-Raum, im Klassenzimmer, mit Smartphones oder komplett ohne Technik geschehen. (Meiner Meinung nach sollte diese Stunde aber mit den Klassenlehrer*innen gestaltet werden, um z.B. positive gruppendynamische Prozesse besser zu fördern bzw. negativen entgegenzuwirken.)

Was ich mir noch von aula erhoffe?

Oben habe ich bereits den Aspekt der Bereitschaft erwähnt, der die Grundvoraussetzung echter Beteiligungsprozesse darstellt. Ich erhoffe mir von allen Beteiligten, die bisher weniger aktiv am Schulleben mitgewirkt oder diese Prozesse unterstützt haben, dass sie durch positive und erfolgreiche Beispiele inspiriert werden umzudenken; was erst durch die neu gewonnene Transparenz ermöglicht wird. Dass möglichst alle Beteiligten erleben, wie hilfreich für alle es ist, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. Es wird definitiv auf allen Ebenen mehr kommuniziert werden. Bestenfalls schaffen wir es dabei eine Kommunikationskultur der Anerkennung und konstruktiven Kritik zu entwickeln, die (uns) alle prägt und vielleicht auch den Weg in die breite Gesellschaft findet. Dabei ist nicht die Software entscheidend, sondern die Intention und Haltung derer, die diese einsetzen. Ich wünsche mir/euch/allen, dass meine Hoffnungen erfüllt werden und blicke gespannt dem neuen Schuljahr entgegen.

Transparente StrukTouren

Schülermitverantwortungen kann nur dann gelingen, wenn allen am Schulleben Beteiligten klar ist, wie und wo sich welche Schüler*innen beteiligen können. Deshalb genügt es nicht, wenn nur die aktuellen Projekte bekannt und zugänglich sind, sondern auch die SMV-Struktur. Ich empfehle eine Übersicht in einem SMV-Kasten und der Homepage der Schule anzubringen. (Ein zusätzliche, geschickte Platzierung im Lehrerzimmer wäre dabei sicher auch kein Nachteil.) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gute SMV-Arbeit an Schulen geleistet wird und trotzdem noch jede Menge Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern nicht über die Organe und Möglichkeiten der SMV informiert sind. Manches Potential bleibt so ungenutzt. Eine Übersicht der SMV-Struktur kann hier aufklären, aber auch nochmal daran erinnern, welche Wege einem offen stehen.

 Meine Version eignet sich für alle Schularten, die ausschließlich aus der Sekundarstufe I bestehen. Gymnasien müssten die Grafik (mit z.B. Mittelstufensprecher*in, Protokollant*in oder Kassenwart) ergänzen. In der Anlage findet ihr eine zusätzliche Word-Version, die ihr auf eure Schule zuschneiden könnt. Die orangenen und grünen Pfeile zeigen die Möglichkeiten der Wahlen auf, die mit allen Beteiligten besprochen worden und in der Satzung festgehalten sein sollten.

In unserem SMV-Kasten sind noch zusätzlich der Schülerrat, die Schülersprecher*innen, die Unterstufensprecher*innen und die Mitglieder der Schulkonferenz in den gleichen Farbkästen der hier vorliegende Struktur jeweils mit Bild, Namen und Klassenangabe zu sehen. So erhält das Organigramm durch die aktuellen Foto ein konkretes Bild. Falls ihr Verbesserungsvorschläge habt, nur raus damit. Ich freue mich über Ideen und konstruktive Kritik.

Anlage: SMV-Struktur SMV-Struktur

Zukünftig Verbindungslehrer

Ich empfehle grundsätzlich jedem Verbindungslehrer die Homepage der SMV-Baden-Württemberg. Auch den Kollegen aus den anderen Bundesländern. Man muss lediglich die rechtlichen Aspekte, die ausschließlich in Baden-Württemberg gelten, berücksichtigen. Der Bereich Wissenswertes ist z.B. eine wahre Goldgrube an Informationen, Vorlagen, Tipps und Anregungen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den Evaluationskoffer, den man sich auch als PDF-Dokument auf jedes Smartphone oder Tablet ziehen kann, und das SMV-Handbuch, das man für 15€ hier bestellen kann. Das Buch umfasst alle wichtige SMV-Themen und enthält zusätzlich eine CD mit sehr gutem Material. Es sollte bestenfalls jedem Schüler zugänglich sein. (Wer auf der Homepage eine Zusammenfassung aller für einen Verbindungslehrer relevanten Punkte sucht, wird bei dieser PDF-Datei fündig.)

SMV goes digital

Natürlich bietet das Netz bereits ausreichend Content, auf den man stets zugreifen kann. Was fehlt, sind aber die persönlichen Erfahrungen, die Inhalte in Relation setzen. Ein Projekt, das auf dem Papier attraktiv erscheint, kann z.B. erst bei der Durchführung Tücken aufweisen. Ich sehe meinen Blog als Ergänzung zu den anfangs aufgeführten Angeboten, die sich auf meine Erlebnisse der letzten zehn Jahren stützt. Meine Überzeugung, dass es jede Menge weiterer Kollegen gibt, die einen solchen Erfahrungsaustausch und noch mehr wünschen, wurde im Februar 2015, auf dem ersten Verbindungslehrerkongress in Freiburg, bestätigt. Die überschaubare Anzahl an Treffen der Verbindungslehrer reichte den meisten nicht aus. Die Kollegen forderten eine bessere Vernetzung, die kurze und unkomplizierte Wege bietet. Hier sehe ich zwei günstige Möglichkeiten der Vernetzung, die genau diese Anforderungen erfüllen würden:

• Ein SMV-Blog einer Schule oder eines Verbindungslehrers bietet die Möglichkeit eines tieferen Austausches mit anderen Schülervertretern oder Verbindungslehrern. Man kann über die Kommentarfunktion Faktoren, die zum Erfolg oder Scheitern eines Projektes geführt haben, besprechen und so andere davon profitieren lassen. Um die Übersicht zu behalten, könnte man die Blogs auf dem Kultusportal des jeweiligen Landes einbetten.
• Seit ca. einem Jahr nutze ich Twitter erfolgreich für den kurzen, direkten Austausch mit Kollegen, z.B. bei Problemen oder Fragen, die eine rasche Lösung erfordern. Ein vorher festgelegter Hashtag (z.B. ist #SMVde noch jungfräulich) würde das Sammeln und Nachlesen nützlicher Tweets erleichtern. Im Idealfall profitieren wir irgendwann von twitternden SMV-Beauftragen des Regierungspräsidiums, die ihre Kompetenzen auch in die Social Media tragen.

Nun eröffnen sich mir zwei Szenarien, die ich für möglich und erstrebenswert halte:

a.) Verbindungslehrer eignen sich die notwendigen Kenntnisse, die man für einen Blog und einen Twitter-Account benötigt, selbständig an. Hier biete ich gerne meine Hilfe an.
b.) Die SMV-Abteilung des jeweiligen Regierungspräsidiums organisiert und bietet hierfür Fortbildungen an. Auch bei dieser Variante biete ich gerne meine Hilfe an.
Ein drittes Szenario ist zwar möglich, aber nicht erstrebenswert:
c.) Es bleibt alles beim Alten. Bei dieser Variante biete ich nicht meine Hilfe an.

Was nicht in Büchern steht,…

…ist unsere Erfahrung. Ich habe es bisher in keinem Fach erlebt, dass Schüler so mit Begeisterung, Ernsthaftigkeit und Durchhaltevermögen arbeiten, wie in der SMV; wenn die Voraussetzungen stimmen.Voraussetzungen stimmen. Die drei wesentlichen nach Wichtigkeit aufgeführten Voraussetzungen hierfür sind:
1. ein Verbindungslehrer, der für sein Amt brennt
2. eine Schulleitung, die zu 100% hinter der SMV steht
3. ein Lehrer-Kollegium, das mehrheitlich die SMV unterstützt

zu 1.
Schüler brauchen eine Lobby! Ich erlebe es oft, dass bei Gesamtlehrerkonferenzen Dinge, die Schüler betreffen, besprochen und abgestimmt werden ohne sie miteinzubeziehen. Dies geschieht in der Regel nicht mit Absicht, sondern weil man die Schüler einfach nicht auf dem Schirm hat. Ein Verbindungslehrer sollte sich angewöhnen, die TOPe einer GLK stets mit dem Gedanken an die Schülerinteressen zu lesen.
Nur ein Verbindungslehrer, der für sein Amt brennt, kann Schüler mitreißen und ihnen dabei helfen, die Notwendigkeit und Bedeutung der SMV-Arbeit zu erfahren. Wenn sich Schüler an Prozessen nicht beteiligen, liegt das nicht am fehlenden Interesse, sondern am mangelnden Wissen. Zeigt ihnen was sie mit Engagement erreichen können. Verhelft ihnen dazu mündige Bürger (nach Kant) zu werden. Demokratisches Verständnis und Partizipation entsteht nicht aus Arbeit mit Texten, sondern aus unmittelbaren Erfahrungen, die man (in der Schule) sammelt.

Zu 2.
Schüler müssen ernst genommen werden. Dafür braucht es eine Schulleitung, die ihnen Rechte eingesteht und eine echte Beteiligung fördert und fordert. Nur Schüler, die ernst genommen werden, sind bereit Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren. Ohne eine Schulleitung, die diese Auffassung teilt, ist eine erfolgreiche SMV-Arbeit kaum möglich.

Zu 3.
Der Wunsch nach Schülerbeteiligung sollte nicht bei Schulleitung und Verbindungslehrern enden, sondern muss als allgemeiner Konsens in der Schule spürbar sein. Dafür benötigt man auch den Großteil des Kollegiums, das Partizipation im und außerhalb des Unterrichts unterstützen sollte. Die drei häufigsten Beispiele hierfür sind:
• eine ordentlich durchgeführte Klassensprecherwahl
• Klassensprechern erlauben zu Schülerratssitzungen oder sonstigen SMV-Treffen zu gehen und keinen Nachteil aus deren Abwesenheit entstehen zu lassen
• Klassensprechern nach einer Schülerratssitzung etwas Zeit einräumen, damit sie die dort besprochenen Ergebnisse der Klasse mitteilen können

Die Gefahr, dass man von manchen Kollegen als Verbündeter der Schüler und Feind, trotz diplomatischem Vorgehen und Geschick, angesehen wird, besteht. Damit muss man rechnen und leben können. Trotzdem gibt es für mich kein schöneres Amt als das des Verbindungslehrers. Zu sehen, wie Schüler Selbstbewusstsein tanken, Probleme angehen und lösen, erfüllt mich mit einer Zufriedenheit, die alle Nachteile erblassen lässt.

Rhetorik – Tragende Säule einer erfolgreichen SMV-Arbeit

Schülersprecher, Stufensprecher und Klassensprecher müssen…
• Informationen aus dem Schülerrat an die Mitschüler weiterleiten.
• die Gesamtlehrerkonferenz oder die Schulkonferenz von ihren Ideen und Wünschen überzeugen.
• Mitschüler motivieren sich an Projekten zu beteiligen.
• sich mit anderen SMVen austauschen.
Wenn man diese Aufgaben betrachtet, wird es deutlich, dass rhetorische Grundkenntnisse notwendig sind, um eine erfolgreiche SMV-Arbeit zu gewährleisten. Ich schlage vor die Rhetorik-Schulung praxisorientiert und zum Schuljahresanfang durchzuführen. Die SMV-Hütte bietet sich hierfür besonders an. Folgende Vorgehensweise ist dabei möglich:

A.) Kurzvorträge als Einstieg
Ein Klassensprecher stellt sich vor die Gruppe und erklärt seinen Mitschülern in einem Kurzvortrag…
…weshalb er sich für dieses Amt hat aufstellen lassen.
…welche seiner Eigenschaften ihn für dieses Amt prädestiniert.

Die Zuhörer bzw. Zuschauer achten dabei auf den Redebeginn, die Körperhaltung, die Mimik, die Gestik, die Ausstrahlung, das Sprechtempo, die Pausen und die Stimme. Nach dem Vortrag geben die restlichen Klassensprecher dem Redner ein Feedback, was sie besonders gelungen fanden. Danach äußern sie Vorschläge, wie er seine Rede verbessern könnte. Der Verbindungslehrer spricht als Letzter und ergänzt die fehlenden Bestärkungen und Tipps.

WICHTIG: Alle Rückmeldungen sollten konkret formuliert sein, damit der Schüler weiß, was er beim nächsten Mal besser machen kann.

Beispiele:
Nicht hilfreich:
„Ich fand´s toll bzw. nicht gut.“, „Du wirkst sympathisch.“, „Du warst zu nervös.“ usw.
Besser:
„Du sprichst klar und deutlich.“, „Du hast keine Füllwörter benutzt.“, „Dein Hin- und Herwackeln hat mich vom eigentlichen Vortrag abgelenkt.“, „Du hast uns nicht oft angesehen. Meistens hast du auf den Boden geblickt.“ usw.

In der Regel sind Schüler sehr genaue Beobachter und erkennen die meisten gelungenen und ausbaufähigen rhetorischen Elemente. Lediglich die Konkretisierung der Aussagen muss geübt werden.

Nach Roman Braun entnehmen wir Ansprache zu 55% der Körpersprache, 38% der Tonalität und 7% der Wortwahl und Aussage! Damit sollte klar sein, worauf man bei allen Übungen den Schwerpunkt setzen sollte.

B.) Pro- und Kontra-Argumente sammeln
Auf der bzw. unserer SMV-Hütte werden immer Wünsche und Ideen bezüglich des Schullebens gesammelt. Ich möchte unser Vorgehen exemplarisch am Beispiel vom diesjährigen Wunsch nach einem Online-Vertretungsplan erläutern. Im Plenum werden gemeinsam Pro- und Kontra-Argumente gesammelt und schriftlich festgehalten. Wobei man den Hinweis gibt, dass sich die Schüler auch in die Lage der Schulleitung und Lehrer versetzen sollen. Lösungsansätze, die Gegenargumente entkräften oder mildern, dürfen nicht fehlen.

Pro_Kontra_OnlineVP

TIPP: An dieser Stelle lässt sich besonders gut das Material von Jugend debattiert einsetzen. Wer diesbezüglich einen Ansprechpartner oder Trainer suchen sollte, dem kann ich nur Marcel Hinderer (Diplompädagoge und Sprecherzieher an der PH Freiburg) empfehlen.

C.) Rollenspiel
Mit zahlreichen Argumenten ausgerüstet übernimmt nun ein Schüler die Rolle des Schulleiters. Ein zweiter Schüler muss die Schulleitung von einem geplanten Projekt oder einem Wunsch der SMV überzeugen. Die restlichen Klassensprecher beobachten das Gespräch nach den gleichen Kriterien, wie beim Kurzvortrag. Im Anschluss wird der Gesprächsverlauf reflektiert und die Argumente werden auf ihre Wirksamkeit überprüft. Diese Übung lässt sich einige Male mit unterschiedlichen Schülern und Themen wiederholen. Die Schüler neigen übrigens dazu mit ihren Positionen und Ansichten viel härter als der echte Schulleiter oder Lehrer aufzutreten.

Natürlich können im Laufe des Schuljahres mit Schulungen oder durch Einbindung in den Unterricht weitere rhetorische Mittel erarbeitet werden. Nur halte ich das im Rahmen der SMV-Arbeit für zeitlich schwierig und auch nicht ganz so entscheidend. Folgende Stilmittel bieten sich dabei an:
Alliteration, Anapher, Antithese, Euphemismus, Hyperbel, Metapher, Neologismus, Personifikation, rhetorische Frage und der Vergleich.

Wir versuchen unsere Klassensprecher über die Jugend debattiert-AG rhetorisch weiter zu trainieren. Erspart einem viel Geld, das man für einen guten Rhetorik-Kurs ausgeben müsste und ermöglicht den Teilnehmern im Rahmen vom Jugend debattiert-Wettbewerb sich mit anderen Schülern und Schulen zu messen.

SMV mit Plan

Nachdem der Schülerrat und die Schülersprecher*innen gewählt worden sind (Alle Klassensprecher*innen sollten spätestens bis zur 3. und die Schülersprecher*innen bis zur 7. Woche gewählt worden sein.), empfiehlt es sich zeitnah einen Plan für das gesamte Schuljahr zu entwickeln. Hierfür gibt es verschiedene Organisationsformen und –bezeichnungen. Die meist verwendeten sind die SMV-Tage und die SMV-Hütte. Wobei ich bei diesen Begriffen zwischen einer Jahresplanung in der Schule und in einer Jugendherberge bzw. Hütte unterscheide.

WESHALB?
Echte Beteiligung am Schulleben wird nicht durch das bloße Anhören der Schülerwünsche erreicht. Es bedeutet Mitarbeit. Hierfür müssen Raum, Zeit und Material angeboten werden, die eine solche Arbeit ermöglichen und wertschätzen. Eine gute Jahresplanung benötigt mehrere Tage. Idealerweise in einer Jugendherberge oder Hütte.

WANN?
Je länger ein Schuljahr andauert, desto mehr schwinden die Kräfte aller am Schulleben Beteiligten. Deshalb muss die wesentliche Planung zu Beginn durchgeführt werden. Wir verbringen meist in der 8./9. Schulwoche drei Tage (Mittwoch bis Freitag) in einer Jugendherberge.

WO?
Manche Schulen führen die SMV-Tage in den eigenen Räumlichkeiten durch.
Vorteile:
• es entstehen keine Kosten
• Material und Technik ist vor Ort und muss nicht transportiert werden
• geringerer Organisationsaufwand für die Verbindungslehrer
Nachteile:
• Störungen bzw. Unruhe von außen, durch Gong, Durchsagen oder Schüler

Andere Schulen bevorzugen einen Aufenthalt in einer Jugendherberge oder Hütte.
Vorteile:
• ein gemeinsamer Ausflug verbindet und stärkt das Wirgefühl
• Arbeit außerhalb der Schule unterstreicht die Besonderheit und Wertschätzung
Nachteile:
• es entstehen Kosten
• die Verbindungslehrer*innen müssen…
…Zuschüsse, die Fahrt und Unterkunft organisieren
…Elternbriefe verfassen und die Rückmeldezettel und das Geld einsammeln
…Material (und Technik) transportieren
(Jugendherbergen bieten meist Konferenzräume und Technik)
• Schüler der 5. und 6. Klasse neigen abends zu Heimwehausbrüchen

Oberflächlich betrachtet erscheint die Variante in der Schule sinnvoller bzw. ökonomischer. Wenn ich aber bedenke, welche Eigendynamik auf unserer jährlichen SMV-Hütte entsteht, empfehle ich allen Verbindungslehrer*innen dringend mit dem Schülerrat und den Schülersprecher*innen mehrere Tage außerhalb der Schule zu verbringen. Wenn Jugendliche außerhalb der Schule arbeiten, ist die Leistungsbereitschaft um ein Vielfaches größer. Ich vermute, dass durch die örtliche Trennung für sie das Gefühl vom schulischen Zwang entfällt. Sie sind intrinsisch motivierter und fühlen sich und ihre Arbeit ernst genommen.

WIE?
Falls man sich für eine SMV-Hütte entscheiden sollte, gilt es eine Jugendherberge bzw. Hütte in Schulnähe zu suchen, damit die Reisekosten möglichst gering gehalten werden können. Finanzielle Unterstützung erhält man in der Regel vom Förderverein bzw. -kreis und anderen potentiellen Sponsoren. An der Pestalozzi Realschule sammeln wir zu Jahresbeginn auf freiwilliger Basis einen Euro pro Schüler*in als Spende ein. Außerdem haben wir in der GLK einen festen SMV-Etat (350€, 1€ pro Schüler*in) beschlossen. Wir bemühen uns die Fahrt- und Unterkunft-Kosten zu ca. 50% zu finanzieren. Um das zu erreichen, stocken wir die Zuschüsse mit Geldern aus der SMV-Kasse, die im Laufe des Schuljahres über Projekte gefüllt werden muss, auf.

Der SMV-Hütten-Aufenthalt bzw. die SMV-Tage in der Schule sollten folgende Aspekte abdecken:
Infoblock 1
Aufklärung über SMV-Struktur bzw. -Arbeit und Rechte und Pflichten. Hierzu kann man auch bei vorhandener Technik (Beamer, Internetanschluss und bestenfalls WLAN) auch mit folgendem kahoot-Quiz spielerisch einsteigen.
Es bietet sich an, die SMV-Arbeit und Strukturen anhand der letztjährig erreichten Ziele und umgesetzten Projekte zu erarbeiten; bestenfalls von Schülersprecher*innen oder Klassensprecher*innen, die im Jahr zuvor schon dabei waren (SMV-Artikel mit Bildern und Videos auf der Homepage sind hier von Vorteil.).
Infoblock 2
Kurze Präsentation aller Projekte, die letztes Jahr geplant wurden. Dabei auch die Gründe für Erfolge und Misserfolge ansprechen.
Arbeitsblock 1
– Welche Projekte wollen wir beibehalten, weiterentwickeln oder neu ins Leben rufen?
– Wie plant man ein Projekt? (Wenn man „alte Hasen“ dabei hat, bietet sich an dieser Stelle eine Differenzierung an. Mit den Erfahrenen werden die unten aufgeführte Projekt-Vorlage ausführlich an Beispielen erarbeitet. Die Neuen erhalten eine einfache Basisschulung, worauf man bei der Planung eines Projektes zu achten hat.)
Arbeitsblock 2
Pläne für die gewünschten Projekte (Projektskizzen) in Kleingruppen erarbeiten.
Man sollte darauf achten, dass in allen Gruppen mindestens ein Schüler ab Klasse 7 dabei ist, der die jüngeren Klassensprecher*innen anleiten kann.
Info-/Arbeitsblock 3
Die Kleingruppen stellen ihre Projekte bzw. ihre geplante Umsetzung dem Plenum kurz vor und ergänzen bzw. verbessern es gemeinsam.
Arbeitsblock 4
Klassensprecher*innen ordnen sich verbindlich Projekten zu, die sie leiten oder unterstützen möchten. Bitte wieder darauf achten, dass mindestens ein*e Schüler*in ab Klasse 7 in der Projektgruppe vertreten ist.
In der Regel muten sich die jüngeren Schüler*innen zu viel Arbeit zu. An dieser Stelle wäre es sinnvoll, als Verbindungslehrer*in die Unerfahrenen korrigierend zu schützen
Rhetorikblock
Klassensprecher*innen und Schülersprecher*innen müssen vor und mit Lehrer*innen bzw. Klassen sprechen. Daher sind rhetorische Grundkenntnisse eine Voraussetzung für eine erfolgreiche SMV-Arbeit. An dieser Stelle empfehle ich Elemente vom Format „Jugend debattiert“ einzusetzen. Ersatzweise kann man auch „Die 10 Regeln für einen guten Vortrag“ (siehe Anlage) einsetzen. (Auch hier bietet sich eine Aufteilung in zwei Gruppen an, damit a.) der Redeanteil pro Schüler*in höher ausfällt und b.) differenzierte Aufgabenstellungen bei den Neuen und Erfahrenen angeboten werden können.)

Zwischen die Info- und Arbeitsblöcken müssen jede Menge Pausen und Kennenlernspiele durchgeführt werden. Zum Einstieg eignet sich das Spiel BINGO (siehe Anlagen), das immer wieder verändert werden kann.
Die Verbindungslehrer*innen sollten jede Menge Papier und Folien in unterschiedlichen Farben und Größen stellen. Multimedial bitte alle Register ziehen. Für die Projektplanung sollten die Verbindungslehrer*innen einen Jahresplan mit den bereits festgelegten Terminen, wie z.B. Prüfungen, Exkursionen und Veranstaltungen dabei haben, um mit den Schülern gemeinsam ein geeignetes Datum und einen Ausweichtermin zu finden.

So sehen unsere Tagespläne und eine Projektplan-Vorlage aus, die ihr als PDF am Ende des Beitrags herunterladen könnt:

SONSTIGES
Die SMV-Hütte bzw. die SMV-Tage decken über 50% der Jahresarbeit ab. Daher ist es besonders wichtig, dass alle Klassensprecher*innen und Schülersprecher*innen dabei sind. In dieser Zeit wachsen sie zu einer kleinen Familie zusammen und bilden eine tragende Säule der Schule und Schulentwicklung.
Die SMV lädt die Schulleitung rechtzeitig ein sie auf der SMV-Hütte zu besuchen. Idealerweise zum Info-/Arbeitsblock 3. Beim Besuch der Schulleitung können die Ideen und Projekte vorgestellt und bezüglich der Umsetzung erste Verhandlungsgespräche geführt werden.
Es hat sich bewährt beim Jahresplan auch die Schülerratssitzungen für das gesamte Schuljahr festzulegen. Unser Schülerrat hat in den letzten Jahren folgendes Konzept entwickelt:
Möglichst Mitte eines jeden Monats trifft sich der Schülerrat immer in der 3.Stunde. Dabei ändern sich monatlich die Wochentage. Zum Beispiel im November an einem Montag, im Dezember an einem Dienstag, im Januar an einem Mittwoch usw..
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Die Termine der Schülerratssitzungen und die für das aktuelle Schuljahr geplanten Projekte mit den Namen der Ansprechpartner stehen im SMV-Kasten und auf der Homepage. So können sich interessierte Schüler, die an einem Projekt mitarbeiten wollen informieren und beteiligen.
Nach einer SMV-Hütte können die Verbindungslehrer*innen beim Zuständigen für die Koordination der SMV des jeweiligen Regierungspräsidiums einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen. Das Regierungspräsidium hat hierfür ein SMV-Budget, das je nach Häufigkeit und Notwendigkeit der Anfrage des Antragsstellers finanziell etwas unter die Arme greifen kann.

FAZIT: Die SMV-Hütte ist die arbeitsintensivste und schönste Zeit zugleich. Man fährt mit vielen Schülervertreter*inne weg und kehrt mit einem starken Team zurück. Auf ein weiteres erfolgreiches Schuljahr.
PS: Alle Artikel werden immer wieder verbessert und ergänzt. Sowohl die Texte als auch das Material.

Schülersprecher*in – Ein besonderes Amt

Schülersprecher*innen sollten aufgrund der herausragenden und verantwortlichen Stellung besondere Eigenschaften und Fähigkeiten aufweisen. “Suboptimale“ Klassensprecher*innen können durch bessere im Schülerrat kompensiert werden. Wenn man aber beim Vorstand des Schülerrats gravierende Defizite beim sicheren Auftreten feststellt oder es ihm an Verhandlungsgeschick mangelt, dann kann sich das auf den Erfolg der SMV-Arbeit stark negativ auswirken.
Grundsätzlich sollte man bezüglich der Schülersprecher*innenwahl zwei wesentliche Fragen gut durchdacht haben:

1.) Wie kommt man zu geeigneten Kandidaten?
Eines möchte ich zu Beginn hervorheben, weil ich weiß, dass diese gesetzliche Regelung immer noch nicht in allen Schulen angekommen ist bzw. mancherorts in Vergessenheit geraten ist:
Jeder Schüler kann für das Amt des Schülersprechers kandidieren! Nicht nur die Klassensprecher.
Um zu geeigneten Kandidaten zu kommen, hat es sich bewährt einen Wahlkampf im großen Stil zu führen. Je “professioneller“ die Wahlwerbung gestaltet werden muss, umso deutlicher wird die Gewichtung und Wertschätzung des zu wählenden Amtes. Wenn Kandidaten vor der gesamten Schülerschaft, Stufenversammlungen oder dem Schülerrat Fragen, in Konkurrenz zu den anderen Mitstreitern, beantworten müssen, trennt sich in der Regel die Spreu vom Weizen. Wahlplakate helfen den Kandidaten sich ihrer Hauptforderungen oder -ziele bewusst zu werden, sie zu gewichten und auf das Wesentliche zu reduzieren. Mit Stichwortreden (siehe Anlage: Eignungstest für Schülersprecher) oder Themenrollenspiele lassen sich die rhetorischen Fähigkeiten oder das Durchsetzungsvermögen vor Publikum (den Wählern) erproben.

2.) Wie soll gewählt werden?
Eines möchte ich auch hier vorab betonen:
Nur bei der Wahl des Schülersprechers und seines Stellvertreters kann über das Wahlverfahren abgestimmt werden. Weitere Stellvertreter können nur vom Schülerrat aus seiner Mitte gewählt werden (§ 3 Abs. 8 SMV-VO)!
Beim Wahlverfahren dreht sich alles um die Entscheidung der Direktwahl oder der indirekten Wahl.

Bei der Direktwahl können alle Schüler einer Schule ihren Kandidaten, üblicherweise an einem offiziellen Wahltag, direkt wählen.
Pro:
• Kein Verfahren ist demokratischer als die Direktwahl.
• Alle Schüler können mitbestimmen.
• Der Schülersprecher weiß die Mehrheit der Schülerschaft hinter sich.
• Ein gemeinsamer Wahltag hat einen positiven Effekt auf das Gemeinschaftsgefühl der kompletten Schülerschaft und stärkt das politische Bewusstsein.
Kontra:
• Wenn sich viele Schüler aufstellen lassen, sinkt aufgrund der Stimmenstreuung der prozentuale Anteil der Stimmen, die sie erhalten. Es besteht die Gefahr, dass “Protestwähler“ ab einer gewissen Gruppengröße erfolgreich einen ungeeigneten Kandidaten wählen, um die Wahl zu boykottieren (Ist an Schulen leider schon vorgekommen).
• Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist im Vergleich zur indirekten Wahl um einiges größer.

Bei der indirekten Wahl wählen alle Klassensprecher im Schülerrat den Schülersprecher und den/die Stellvertreter.
Pro:
• In der Regel hat man engagierte Klassensprecher, die aus eigener Erfahrung die Fähigkeiten der Kandidaten einordnen können.
• Der Schülerrat hat ein starkes Interesse an einem würdigen Vorstand.
Kontra:
• Der Großteil der Schülerschaft hat keinen direkten Einfluss auf die Wahl.

Natürlich kann auch eine Kombination aus der Direktwahl und der indirekten Wahl durchgeführt werden. Klassensprecher können zum Beispiel mit ihrer Klasse absprechen, wem sie bei der indirekten Wahl im Schülerrat ihre Stimme geben sollen.

Sonstige Hinweise
An meiner letzen und aktuellen Schule wurden immer drei Schülersprecher*innen gewählt. Es hat sich dabei bewährt, dass eine/r aus Klasse 10. ist und eher zwei aus den unteren Klassen; meist aus Klasse 8 und 9. So hat man zu Beginn des Schuljahres ältere Schüler*innen, der/die “jüngere“ anleiten können und ihre Erfahrung und Wissen weitergeben können. Im zweiten Halbjahr konzentrieren sich die 10er dann auf ihren Abschluss und wirken hauptsächlich beratend, während sich die zwei Stellvertreter*innen nun die Kernarbeit teilen. Mit den Unterstufensprechern (aus Klasse 6 und 7) versucht unser Schülerrat potentielle Schülersprecher an das höhere Amt heranzuführen. Wobei dieses Verfahren nicht in Stein gemeißelt ist. Wir hatten zum Beispiel einen Schüler aus der 6. Klasse, der “nur“ für den Unterstufensprecherposten kandidierte und gewann. Hätte er für das Schülersprecheramt kandidiert, wäre er trotz jungen Alters einstimmig vom Schülerrat gewählt worden.
Auf Fortbildungen habe ich erfahren, dass manche Schulen versuchen die SMV-Ämter unter Jungen und Mädchen gleichmäßig aufzuteilen. Davon rate ich ab. Bei der Wahl der Klassensprecher und Schülersprecher sollten lediglich die Fähigkeiten der Schüler entscheiden. Unsere SMV-Spitze besteht aktuell aus drei Mädchen, die vom Schülerrat, der sich aus etwas mehr Jungen zusammensetzt, gewählt wurden.
Fazit: Qualität kennt weder Alter noch Geschlecht.

Alle Artikel werden immer wieder verbessert und ergänzt. Sowohl die Texte als auch das Material. Auch in der SMV-Arbeit gilt: Stillstand bedeutet Rückschritt. 🙂

Der_Schülersprecher
Eignungstest für Klassensprecher und Schülersprecher
Stimmzettel_Schülersprecher

Die Klassensprecherwahl – Gut gewählt ist halb gewonnen

Steigen wir mit den Klassikern der Klassensprecherwahl ein:

Der Schnelle, mit der To-Do-Liste:
Er lässt gerne am ersten Schultag, zwischen dem Abschreiben des Stundenplans und dem Diktieren der Materialliste, den Klassensprecher wählen, um sich zügig von der vermeintlich geglaubten Pflicht zu befreien.

Der Suboptimal-Strukturierte, ohne To-Do-Liste:
Er wird mehrfach vom Verbindungslehrer sanft an die Klassensprecherwahl erinnert. Meist gelingt es ihm am letzten Tag, vor Ablauf der dreiwöchigen Frist, die Wahl noch irgendwie durchzuführen.

Der “Demokrator“: Er diktiert die geeigneten Kandidaten, die im Anschluss demokratisch gewählt werden dürfen. Nicht selten orientiert er sich dabei am Notenschnitt der Schüler.

Es ist und muss im Interesse eines jeden Verbindungslehrers sein, dass die Klassensprecherwahl ordentlich abläuft. Schließlich hängt die Arbeit eines ganzen Schuljahres davon ab. Nur ein Schülerrat, besetzt mit fähigen Klassensprechern, kann qualitativ und erfolgreich das Schulleben mitgestalten. Aber wie könnte man die drei oben aufgeführten Klassiker und ihre Folgen vermeiden?
Im Prinzip gibt es zwei mögliche Vorgehensweisen:

1.) Die Klassenlehrer müssen “geschult“ und mit ansprechendem Material ausgestattet werden. Praktisch wäre hierfür die Konferenz vor dem ersten Schultag.
Pro:
-Klassenlehrer freuen sich in der Regel über etwas Entlastung.
-Zeitlicher Aufwand hält sich in Grenzen.
Kontra:
-Eine motivierte Moderation erzeugte motivierte Kandidaten. Die Motivation aller Klassenlehrer ist nicht immer gewährleistet – trotz Material und Unterstützung.

2.) Die Schüler müssen “geschult“ und mit ansprechendem Material ausgestattet werden. Hierfür bieten sich Stufenversammlungen an. Es sollten weder zu kleine noch zu große Gruppen sein. Wir praktizieren das mit etwa sechs bis acht Klassen. Die (noch amtierenden) Schülersprecher übernehmen die Moderation und veranschaulichen die Informationen durch Beispiele aus dem letzten Schuljahr (Erreichte Ziele und gelungene Projekte bieten sich hier an).
Pro:
-Die Moderation durch die Schülersprecher ist automatisch ein verkörpertes Beispiel für die Fähigkeiten und Aufgaben eines Klassensprechers.
-Schülersprecher genießen in Regel ein gewisses Ansehen bei ihren Mitschülern und können mehr zur Mitarbeit motivieren als ein noch so guter Lehrervortrag.
– Höherer Zeit- und Arbeitsaufwand: Je größer die Wertschätzung der Klassensprecherwahl und des damit verbundenen Amtes des Klassensprechers, desto größer ist die Bereitschaft und niedriger die Hemmschwelle der fähigen Schüler sich aufstellen zu lassen.
Kontra:
-Höherer Zeit- und Arbeitsaufwand. Die Moderation sollte vorher mit den Schülersprechern geübt bzw. abgesprochen werden.

Manche Schulen führen in allen Klassen an einem gemeinsamen Wahltag die Klassensprecherwahl durch. Andere informieren die Klassen lieber einzeln und versetzt über die Politik- oder EWG-Lehrer. Je nach Schulart und -größe variiert die Durchführbarkeit der unterschiedlichen Konzepte. Daher kann ich hier kein perfektes Modell, sondern nur bewährte Bausteine präsentieren, mit denen sich Verbindungslehrer ihr eigenes, passgenaues Konzept zusammenbasteln können.

Sonstige Hinweise:
A.) In der Unterstufe, speziell in Klasse 5, kommt es öfter vor, dass sich gerne mal die Hälfte der Klasse aufstellen lässt. Hier ist es besonders wichtig, dass je ein Wahlgang für den Klassensprecher und den Stellvertreter durchgeführt wird. Mehrheitsvertreter werden gesucht! Außerdem ist der Hinweis für die Kandidaten, die nicht die Masse für sich begeistern konnten, wichtig, dass jeder Schüler auch über Arbeits- oder Projektgruppen in der SMV mitarbeiten kann.
B.) Unabhängig vom Modell der Information und Durchführung sollte die Hauptbotschaft lauten: Partizipation bedeutet Verantwortung und Arbeit, die sich auszahlt.
C.) Grundsätzlich muss allen Schülern eine Chance gegeben werden sich als Klassensprecher zu beweisen. So mancher Schüler, der auf den ersten Blick nicht gerade den überzeugendsten Eindruck vermitteln konnte, ist an den Aufgaben und der Verantwortung des Klassensprechers gewachsen, und hat sich als hervorragender Repräsentant seiner Klasse herausgestellt. Daher bitte ich alle Klassen- und Verbindungslehrer davon abzusehen in eine Klassensprecherwahl korrigierend einzugreifen – womit man übrigens auch gegen die Regeln der SMV-Satzung verstoßen würde.

Alle Aufgaben, Fähigkeiten, Rechte eines Klassensprechers und Informationen zur Wahl habe ich im folgenden Material zusammengestellt.
PS: Meine Artikel werden immer wieder verbessert und ergänzt. Sowohl die Texte als auch das Material. Auch in der SMV-Arbeit gilt: Stillstand bedeutet Rückschritt. 🙂
Der_Klassensprecher
Stimmzettel_Klassensprecher
Der_Klassensprecher_Checkliste
Eignungstest für Klassensprecher und Schülersprecher