SMV mit Plan

Nachdem der Schülerrat und die Schülersprecher*innen gewählt worden sind (Alle Klassensprecher*innen sollten spätestens bis zur 3. und die Schülersprecher*innen bis zur 7. Woche gewählt worden sein.), empfiehlt es sich zeitnah einen Plan für das gesamte Schuljahr zu entwickeln. Hierfür gibt es verschiedene Organisationsformen und –bezeichnungen. Die meist verwendeten sind die SMV-Tage und die SMV-Hütte. Wobei ich bei diesen Begriffen zwischen einer Jahresplanung in der Schule und in einer Jugendherberge bzw. Hütte unterscheide.

WESHALB?
Echte Beteiligung am Schulleben wird nicht durch das bloße Anhören der Schülerwünsche erreicht. Es bedeutet Mitarbeit. Hierfür müssen Raum, Zeit und Material angeboten werden, die eine solche Arbeit ermöglichen und wertschätzen. Eine gute Jahresplanung benötigt mehrere Tage. Idealerweise in einer Jugendherberge oder Hütte.

WANN?
Je länger ein Schuljahr andauert, desto mehr schwinden die Kräfte aller am Schulleben Beteiligten. Deshalb muss die wesentliche Planung zu Beginn durchgeführt werden. Wir verbringen meist in der 8./9. Schulwoche drei Tage (Mittwoch bis Freitag) in einer Jugendherberge.

WO?
Manche Schulen führen die SMV-Tage in den eigenen Räumlichkeiten durch.
Vorteile:
• es entstehen keine Kosten
• Material und Technik ist vor Ort und muss nicht transportiert werden
• geringerer Organisationsaufwand für die Verbindungslehrer
Nachteile:
• Störungen bzw. Unruhe von außen, durch Gong, Durchsagen oder Schüler

Andere Schulen bevorzugen einen Aufenthalt in einer Jugendherberge oder Hütte.
Vorteile:
• ein gemeinsamer Ausflug verbindet und stärkt das Wirgefühl
• Arbeit außerhalb der Schule unterstreicht die Besonderheit und Wertschätzung
Nachteile:
• es entstehen Kosten
• die Verbindungslehrer*innen müssen…
…Zuschüsse, die Fahrt und Unterkunft organisieren
…Elternbriefe verfassen und die Rückmeldezettel und das Geld einsammeln
…Material (und Technik) transportieren
(Jugendherbergen bieten meist Konferenzräume und Technik)
• Schüler der 5. und 6. Klasse neigen abends zu Heimwehausbrüchen

Oberflächlich betrachtet erscheint die Variante in der Schule sinnvoller bzw. ökonomischer. Wenn ich aber bedenke, welche Eigendynamik auf unserer jährlichen SMV-Hütte entsteht, empfehle ich allen Verbindungslehrer*innen dringend mit dem Schülerrat und den Schülersprecher*innen mehrere Tage außerhalb der Schule zu verbringen. Wenn Jugendliche außerhalb der Schule arbeiten, ist die Leistungsbereitschaft um ein Vielfaches größer. Ich vermute, dass durch die örtliche Trennung für sie das Gefühl vom schulischen Zwang entfällt. Sie sind intrinsisch motivierter und fühlen sich und ihre Arbeit ernst genommen.

WIE?
Falls man sich für eine SMV-Hütte entscheiden sollte, gilt es eine Jugendherberge bzw. Hütte in Schulnähe zu suchen, damit die Reisekosten möglichst gering gehalten werden können. Finanzielle Unterstützung erhält man in der Regel vom Förderverein bzw. -kreis und anderen potentiellen Sponsoren. An der Pestalozzi Realschule sammeln wir zu Jahresbeginn auf freiwilliger Basis einen Euro pro Schüler*in als Spende ein. Außerdem haben wir in der GLK einen festen SMV-Etat (350€, 1€ pro Schüler*in) beschlossen. Wir bemühen uns die Fahrt- und Unterkunft-Kosten zu ca. 50% zu finanzieren. Um das zu erreichen, stocken wir die Zuschüsse mit Geldern aus der SMV-Kasse, die im Laufe des Schuljahres über Projekte gefüllt werden muss, auf.

Der SMV-Hütten-Aufenthalt bzw. die SMV-Tage in der Schule sollten folgende Aspekte abdecken:
Infoblock 1
Aufklärung über SMV-Struktur bzw. -Arbeit und Rechte und Pflichten. Hierzu kann man auch bei vorhandener Technik (Beamer, Internetanschluss und bestenfalls WLAN) auch mit folgendem kahoot-Quiz spielerisch einsteigen.
Es bietet sich an, die SMV-Arbeit und Strukturen anhand der letztjährig erreichten Ziele und umgesetzten Projekte zu erarbeiten; bestenfalls von Schülersprecher*innen oder Klassensprecher*innen, die im Jahr zuvor schon dabei waren (SMV-Artikel mit Bildern und Videos auf der Homepage sind hier von Vorteil.).
Infoblock 2
Kurze Präsentation aller Projekte, die letztes Jahr geplant wurden. Dabei auch die Gründe für Erfolge und Misserfolge ansprechen.
Arbeitsblock 1
– Welche Projekte wollen wir beibehalten, weiterentwickeln oder neu ins Leben rufen?
– Wie plant man ein Projekt? (Wenn man „alte Hasen“ dabei hat, bietet sich an dieser Stelle eine Differenzierung an. Mit den Erfahrenen werden die unten aufgeführte Projekt-Vorlage ausführlich an Beispielen erarbeitet. Die Neuen erhalten eine einfache Basisschulung, worauf man bei der Planung eines Projektes zu achten hat.)
Arbeitsblock 2
Pläne für die gewünschten Projekte (Projektskizzen) in Kleingruppen erarbeiten.
Man sollte darauf achten, dass in allen Gruppen mindestens ein Schüler ab Klasse 7 dabei ist, der die jüngeren Klassensprecher*innen anleiten kann.
Info-/Arbeitsblock 3
Die Kleingruppen stellen ihre Projekte bzw. ihre geplante Umsetzung dem Plenum kurz vor und ergänzen bzw. verbessern es gemeinsam.
Arbeitsblock 4
Klassensprecher*innen ordnen sich verbindlich Projekten zu, die sie leiten oder unterstützen möchten. Bitte wieder darauf achten, dass mindestens ein*e Schüler*in ab Klasse 7 in der Projektgruppe vertreten ist.
In der Regel muten sich die jüngeren Schüler*innen zu viel Arbeit zu. An dieser Stelle wäre es sinnvoll, als Verbindungslehrer*in die Unerfahrenen korrigierend zu schützen
Rhetorikblock
Klassensprecher*innen und Schülersprecher*innen müssen vor und mit Lehrer*innen bzw. Klassen sprechen. Daher sind rhetorische Grundkenntnisse eine Voraussetzung für eine erfolgreiche SMV-Arbeit. An dieser Stelle empfehle ich Elemente vom Format „Jugend debattiert“ einzusetzen. Ersatzweise kann man auch „Die 10 Regeln für einen guten Vortrag“ (siehe Anlage) einsetzen. (Auch hier bietet sich eine Aufteilung in zwei Gruppen an, damit a.) der Redeanteil pro Schüler*in höher ausfällt und b.) differenzierte Aufgabenstellungen bei den Neuen und Erfahrenen angeboten werden können.)

Zwischen die Info- und Arbeitsblöcken müssen jede Menge Pausen und Kennenlernspiele durchgeführt werden. Zum Einstieg eignet sich das Spiel BINGO (siehe Anlagen), das immer wieder verändert werden kann.
Die Verbindungslehrer*innen sollten jede Menge Papier und Folien in unterschiedlichen Farben und Größen stellen. Multimedial bitte alle Register ziehen. Für die Projektplanung sollten die Verbindungslehrer*innen einen Jahresplan mit den bereits festgelegten Terminen, wie z.B. Prüfungen, Exkursionen und Veranstaltungen dabei haben, um mit den Schülern gemeinsam ein geeignetes Datum und einen Ausweichtermin zu finden.

So sehen unsere Tagespläne und eine Projektplan-Vorlage aus, die ihr als PDF am Ende des Beitrags herunterladen könnt:

SONSTIGES
Die SMV-Hütte bzw. die SMV-Tage decken über 50% der Jahresarbeit ab. Daher ist es besonders wichtig, dass alle Klassensprecher*innen und Schülersprecher*innen dabei sind. In dieser Zeit wachsen sie zu einer kleinen Familie zusammen und bilden eine tragende Säule der Schule und Schulentwicklung.
Die SMV lädt die Schulleitung rechtzeitig ein sie auf der SMV-Hütte zu besuchen. Idealerweise zum Info-/Arbeitsblock 3. Beim Besuch der Schulleitung können die Ideen und Projekte vorgestellt und bezüglich der Umsetzung erste Verhandlungsgespräche geführt werden.
Es hat sich bewährt beim Jahresplan auch die Schülerratssitzungen für das gesamte Schuljahr festzulegen. Unser Schülerrat hat in den letzten Jahren folgendes Konzept entwickelt:
Möglichst Mitte eines jeden Monats trifft sich der Schülerrat immer in der 3.Stunde. Dabei ändern sich monatlich die Wochentage. Zum Beispiel im November an einem Montag, im Dezember an einem Dienstag, im Januar an einem Mittwoch usw..
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Die Termine der Schülerratssitzungen und die für das aktuelle Schuljahr geplanten Projekte mit den Namen der Ansprechpartner stehen im SMV-Kasten und auf der Homepage. So können sich interessierte Schüler, die an einem Projekt mitarbeiten wollen informieren und beteiligen.
Nach einer SMV-Hütte können die Verbindungslehrer*innen beim Zuständigen für die Koordination der SMV des jeweiligen Regierungspräsidiums einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen. Das Regierungspräsidium hat hierfür ein SMV-Budget, das je nach Häufigkeit und Notwendigkeit der Anfrage des Antragsstellers finanziell etwas unter die Arme greifen kann.

FAZIT: Die SMV-Hütte ist die arbeitsintensivste und schönste Zeit zugleich. Man fährt mit vielen Schülervertreter*inne weg und kehrt mit einem starken Team zurück. Auf ein weiteres erfolgreiches Schuljahr.
PS: Alle Artikel werden immer wieder verbessert und ergänzt. Sowohl die Texte als auch das Material.

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