Schülersprecher*in – Ein besonderes Amt

Schülersprecher*innen sollten aufgrund der herausragenden und verantwortlichen Stellung besondere Eigenschaften und Fähigkeiten aufweisen. “Suboptimale“ Klassensprecher*innen können durch bessere im Schülerrat kompensiert werden. Wenn man aber beim Vorstand des Schülerrats gravierende Defizite beim sicheren Auftreten feststellt oder es ihm an Verhandlungsgeschick mangelt, dann kann sich das auf den Erfolg der SMV-Arbeit stark negativ auswirken.
Grundsätzlich sollte man bezüglich der Schülersprecher*innenwahl zwei wesentliche Fragen gut durchdacht haben:

1.) Wie kommt man zu geeigneten Kandidaten?
Eines möchte ich zu Beginn hervorheben, weil ich weiß, dass diese gesetzliche Regelung immer noch nicht in allen Schulen angekommen ist bzw. mancherorts in Vergessenheit geraten ist:
Jeder Schüler kann für das Amt des Schülersprechers kandidieren! Nicht nur die Klassensprecher.
Um zu geeigneten Kandidaten zu kommen, hat es sich bewährt einen Wahlkampf im großen Stil zu führen. Je “professioneller“ die Wahlwerbung gestaltet werden muss, umso deutlicher wird die Gewichtung und Wertschätzung des zu wählenden Amtes. Wenn Kandidaten vor der gesamten Schülerschaft, Stufenversammlungen oder dem Schülerrat Fragen, in Konkurrenz zu den anderen Mitstreitern, beantworten müssen, trennt sich in der Regel die Spreu vom Weizen. Wahlplakate helfen den Kandidaten sich ihrer Hauptforderungen oder -ziele bewusst zu werden, sie zu gewichten und auf das Wesentliche zu reduzieren. Mit Stichwortreden (siehe Anlage: Eignungstest für Schülersprecher) oder Themenrollenspiele lassen sich die rhetorischen Fähigkeiten oder das Durchsetzungsvermögen vor Publikum (den Wählern) erproben.

2.) Wie soll gewählt werden?
Eines möchte ich auch hier vorab betonen:
Nur bei der Wahl des Schülersprechers und seines Stellvertreters kann über das Wahlverfahren abgestimmt werden. Weitere Stellvertreter können nur vom Schülerrat aus seiner Mitte gewählt werden (§ 3 Abs. 8 SMV-VO)!
Beim Wahlverfahren dreht sich alles um die Entscheidung der Direktwahl oder der indirekten Wahl.

Bei der Direktwahl können alle Schüler einer Schule ihren Kandidaten, üblicherweise an einem offiziellen Wahltag, direkt wählen.
Pro:
• Kein Verfahren ist demokratischer als die Direktwahl.
• Alle Schüler können mitbestimmen.
• Der Schülersprecher weiß die Mehrheit der Schülerschaft hinter sich.
• Ein gemeinsamer Wahltag hat einen positiven Effekt auf das Gemeinschaftsgefühl der kompletten Schülerschaft und stärkt das politische Bewusstsein.
Kontra:
• Wenn sich viele Schüler aufstellen lassen, sinkt aufgrund der Stimmenstreuung der prozentuale Anteil der Stimmen, die sie erhalten. Es besteht die Gefahr, dass “Protestwähler“ ab einer gewissen Gruppengröße erfolgreich einen ungeeigneten Kandidaten wählen, um die Wahl zu boykottieren (Ist an Schulen leider schon vorgekommen).
• Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist im Vergleich zur indirekten Wahl um einiges größer.

Bei der indirekten Wahl wählen alle Klassensprecher im Schülerrat den Schülersprecher und den/die Stellvertreter.
Pro:
• In der Regel hat man engagierte Klassensprecher, die aus eigener Erfahrung die Fähigkeiten der Kandidaten einordnen können.
• Der Schülerrat hat ein starkes Interesse an einem würdigen Vorstand.
Kontra:
• Der Großteil der Schülerschaft hat keinen direkten Einfluss auf die Wahl.

Natürlich kann auch eine Kombination aus der Direktwahl und der indirekten Wahl durchgeführt werden. Klassensprecher können zum Beispiel mit ihrer Klasse absprechen, wem sie bei der indirekten Wahl im Schülerrat ihre Stimme geben sollen.

Sonstige Hinweise
An meiner letzen und aktuellen Schule wurden immer drei Schülersprecher*innen gewählt. Es hat sich dabei bewährt, dass eine/r aus Klasse 10. ist und eher zwei aus den unteren Klassen; meist aus Klasse 8 und 9. So hat man zu Beginn des Schuljahres ältere Schüler*innen, der/die “jüngere“ anleiten können und ihre Erfahrung und Wissen weitergeben können. Im zweiten Halbjahr konzentrieren sich die 10er dann auf ihren Abschluss und wirken hauptsächlich beratend, während sich die zwei Stellvertreter*innen nun die Kernarbeit teilen. Mit den Unterstufensprechern (aus Klasse 6 und 7) versucht unser Schülerrat potentielle Schülersprecher an das höhere Amt heranzuführen. Wobei dieses Verfahren nicht in Stein gemeißelt ist. Wir hatten zum Beispiel einen Schüler aus der 6. Klasse, der “nur“ für den Unterstufensprecherposten kandidierte und gewann. Hätte er für das Schülersprecheramt kandidiert, wäre er trotz jungen Alters einstimmig vom Schülerrat gewählt worden.
Auf Fortbildungen habe ich erfahren, dass manche Schulen versuchen die SMV-Ämter unter Jungen und Mädchen gleichmäßig aufzuteilen. Davon rate ich ab. Bei der Wahl der Klassensprecher und Schülersprecher sollten lediglich die Fähigkeiten der Schüler entscheiden. Unsere SMV-Spitze besteht aktuell aus drei Mädchen, die vom Schülerrat, der sich aus etwas mehr Jungen zusammensetzt, gewählt wurden.
Fazit: Qualität kennt weder Alter noch Geschlecht.

Alle Artikel werden immer wieder verbessert und ergänzt. Sowohl die Texte als auch das Material. Auch in der SMV-Arbeit gilt: Stillstand bedeutet Rückschritt. :-)

Der_Schülersprecher
Eignungstest für Klassensprecher und Schülersprecher
Stimmzettel_Schülersprecher

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s