Zukünftig Verbindungslehrer

Ich empfehle grundsätzlich jedem Verbindungslehrer die Homepage der SMV-Baden-Württemberg. Auch den Kollegen aus den anderen Bundesländern. Man muss lediglich die rechtlichen Aspekte, die ausschließlich in Baden-Württemberg gelten, berücksichtigen. Der Bereich Wissenswertes ist z.B. eine wahre Goldgrube an Informationen, Vorlagen, Tipps und Anregungen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den Evaluationskoffer, den man sich auch als PDF-Dokument auf jedes Smartphone oder Tablet ziehen kann, und das SMV-Handbuch, das man für 15€ hier bestellen kann. Das Buch umfasst alle wichtige SMV-Themen und enthält zusätzlich eine CD mit sehr gutem Material. Es sollte bestenfalls jedem Schüler zugänglich sein. (Wer auf der Homepage eine Zusammenfassung aller für einen Verbindungslehrer relevanten Punkte sucht, wird bei dieser PDF-Datei fündig.)

SMV goes digital

Natürlich bietet das Netz bereits ausreichend Content, auf den man stets zugreifen kann. Was fehlt, sind aber die persönlichen Erfahrungen, die Inhalte in Relation setzen. Ein Projekt, das auf dem Papier attraktiv erscheint, kann z.B. erst bei der Durchführung Tücken aufweisen. Ich sehe meinen Blog als Ergänzung zu den anfangs aufgeführten Angeboten, die sich auf meine Erlebnisse der letzten zehn Jahren stützt. Meine Überzeugung, dass es jede Menge weiterer Kollegen gibt, die einen solchen Erfahrungsaustausch und noch mehr wünschen, wurde im Februar 2015, auf dem ersten Verbindungslehrerkongress in Freiburg, bestätigt. Die überschaubare Anzahl an Treffen der Verbindungslehrer reichte den meisten nicht aus. Die Kollegen forderten eine bessere Vernetzung, die kurze und unkomplizierte Wege bietet. Hier sehe ich zwei günstige Möglichkeiten der Vernetzung, die genau diese Anforderungen erfüllen würden:

• Ein SMV-Blog einer Schule oder eines Verbindungslehrers bietet die Möglichkeit eines tieferen Austausches mit anderen Schülervertretern oder Verbindungslehrern. Man kann über die Kommentarfunktion Faktoren, die zum Erfolg oder Scheitern eines Projektes geführt haben, besprechen und so andere davon profitieren lassen. Um die Übersicht zu behalten, könnte man die Blogs auf dem Kultusportal des jeweiligen Landes einbetten.
• Seit ca. einem Jahr nutze ich Twitter erfolgreich für den kurzen, direkten Austausch mit Kollegen, z.B. bei Problemen oder Fragen, die eine rasche Lösung erfordern. Ein vorher festgelegter Hashtag (z.B. ist #SMVde noch jungfräulich) würde das Sammeln und Nachlesen nützlicher Tweets erleichtern. Im Idealfall profitieren wir irgendwann von twitternden SMV-Beauftragen des Regierungspräsidiums, die ihre Kompetenzen auch in die Social Media tragen.

Nun eröffnen sich mir zwei Szenarien, die ich für möglich und erstrebenswert halte:

a.) Verbindungslehrer eignen sich die notwendigen Kenntnisse, die man für einen Blog und einen Twitter-Account benötigt, selbständig an. Hier biete ich gerne meine Hilfe an.
b.) Die SMV-Abteilung des jeweiligen Regierungspräsidiums organisiert und bietet hierfür Fortbildungen an. Auch bei dieser Variante biete ich gerne meine Hilfe an.
Ein drittes Szenario ist zwar möglich, aber nicht erstrebenswert:
c.) Es bleibt alles beim Alten. Bei dieser Variante biete ich nicht meine Hilfe an.

Was nicht in Büchern steht,…

…ist unsere Erfahrung. Ich habe es bisher in keinem Fach erlebt, dass Schüler so mit Begeisterung, Ernsthaftigkeit und Durchhaltevermögen arbeiten, wie in der SMV; wenn die Voraussetzungen stimmen.Voraussetzungen stimmen. Die drei wesentlichen nach Wichtigkeit aufgeführten Voraussetzungen hierfür sind:
1. ein Verbindungslehrer, der für sein Amt brennt
2. eine Schulleitung, die zu 100% hinter der SMV steht
3. ein Lehrer-Kollegium, das mehrheitlich die SMV unterstützt

zu 1.
Schüler brauchen eine Lobby! Ich erlebe es oft, dass bei Gesamtlehrerkonferenzen Dinge, die Schüler betreffen, besprochen und abgestimmt werden ohne sie miteinzubeziehen. Dies geschieht in der Regel nicht mit Absicht, sondern weil man die Schüler einfach nicht auf dem Schirm hat. Ein Verbindungslehrer sollte sich angewöhnen, die TOPe einer GLK stets mit dem Gedanken an die Schülerinteressen zu lesen.
Nur ein Verbindungslehrer, der für sein Amt brennt, kann Schüler mitreißen und ihnen dabei helfen, die Notwendigkeit und Bedeutung der SMV-Arbeit zu erfahren. Wenn sich Schüler an Prozessen nicht beteiligen, liegt das nicht am fehlenden Interesse, sondern am mangelnden Wissen. Zeigt ihnen was sie mit Engagement erreichen können. Verhelft ihnen dazu mündige Bürger (nach Kant) zu werden. Demokratisches Verständnis und Partizipation entsteht nicht aus Arbeit mit Texten, sondern aus unmittelbaren Erfahrungen, die man (in der Schule) sammelt.

Zu 2.
Schüler müssen ernst genommen werden. Dafür braucht es eine Schulleitung, die ihnen Rechte eingesteht und eine echte Beteiligung fördert und fordert. Nur Schüler, die ernst genommen werden, sind bereit Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren. Ohne eine Schulleitung, die diese Auffassung teilt, ist eine erfolgreiche SMV-Arbeit kaum möglich.

Zu 3.
Der Wunsch nach Schülerbeteiligung sollte nicht bei Schulleitung und Verbindungslehrern enden, sondern muss als allgemeiner Konsens in der Schule spürbar sein. Dafür benötigt man auch den Großteil des Kollegiums, das Partizipation im und außerhalb des Unterrichts unterstützen sollte. Die drei häufigsten Beispiele hierfür sind:
• eine ordentlich durchgeführte Klassensprecherwahl
• Klassensprechern erlauben zu Schülerratssitzungen oder sonstigen SMV-Treffen zu gehen und keinen Nachteil aus deren Abwesenheit entstehen zu lassen
• Klassensprechern nach einer Schülerratssitzung etwas Zeit einräumen, damit sie die dort besprochenen Ergebnisse der Klasse mitteilen können

Die Gefahr, dass man von manchen Kollegen als Verbündeter der Schüler und Feind, trotz diplomatischem Vorgehen und Geschick, angesehen wird, besteht. Damit muss man rechnen und leben können. Trotzdem gibt es für mich kein schöneres Amt als das des Verbindungslehrers. Zu sehen, wie Schüler Selbstbewusstsein tanken, Probleme angehen und lösen, erfüllt mich mit einer Zufriedenheit, die alle Nachteile erblassen lässt.

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Ein Kommentar zu „Zukünftig Verbindungslehrer

  1. „Der Wunsch nach Schülerbeteiligung sollte […] als allgemeiner Konsens in der Schule spürbar sein.“ Weshalb ich mich gerade auf den Aufbau/Ausbau von Teen-Teaching an unserer Schule stürze.

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